Krankmelden: So geht’s richtig

Erkältungen gehören zu den häufigsten Ursachen von Krankmeldungen. Was tun, wenn Dich im Herbst die Grippe erwischt? Welche Regeln gelten? Wann muss das Attest beim Arbeitgeber sein? Kannst Du Dich per E-Mail krank melden? Tipps und Infos fürs Krankmelden bei der Arbeit – damit Du bei Deiner Krankmeldung alles richtig machst.

Flugausfälle, Wartezeiten – Krankmeldungen von Piloten der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin haben kürzlich für Schlagzeilen gesorgt. Da fragen sich viele, auch mit Blick auf die nahende Erkältungssaison: Was gilt eigentlich beim Krankmelden? Was dürfen Arbeitnehmer und Arbeitgeber – und was nicht? Aktuelle Zahlen, Gesetzesinfos und Tipps von Experten.

3 Krankheiten verursachen 55 Prozent der Fehltage

Zahlen zu Krankmeldungen im ersten Halbjahr 2017 hat gerade die DAK-Gesundheit publiziert: Demnach meldeten sich Arbeitnehmer in Deutschland in den ersten sechs Monaten dieses Jahres etwas seltener krank als im Vorjahreszeitraum, der Krankenstand ist im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 um 0,1 Prozentpunkte gesunken.

Zur Situation in ganz Deutschland fasst das Statistische Bundesamt Daten zusammen: In 2016 waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt 10,8 Arbeitstage krank gemeldet. Pro Tag haben sich durchschnittlich 4,3 Prozent der Arbeitnehmer krank gemeldet. Das waren etwas mehr als 2015 (Daten in 2015: 4,0 Prozent, 10,0 Arbeitstage). Aber in die Statistik geht eine Krankmeldung nur ein, wenn die  Abwesenheit länger als drei Tagen dauert. Danach zahlen die Krankenkassen nämlich Krankengeld. Die tatsächliche Zahl der Krankheitstage dürfte also höher liegen. Mehr Infos zum Krankenstand beim Statistischen Bundesamt.

Häufige Gründe für eine Krankmeldung: Erkältung gehört zu den Top 3

Den größten Anteil haben Muskel-Skelett-Erkrankungen, Erkältungen und psychische Erkrankungen. Jeder zweite Fehltag ging auf das Konto einer dieser drei Krankheitsarten (55 Prozent), berichtet die DAK.

1. Halbjahr 2017

1. Halbjahr 2016

1. Muskel-Skelett-System (21 Prozent)1. Muskel-Skelett-System (21,7 Prozent)
2. Atmungssystem (18 Prozent)2. Atmungssystem (17,4 Prozent)
3. Psychische Erkrankungen (15,6 Prozent)3. Psychische Erkrankungen (15,9 Prozent)
4. Verletzungen und Vergiftungen (12,1 Prozent)4. Verletzungen und Vergiftungen (11,6 Prozent)
5. Verdauungssystem (4,9 Prozent)5. Verdauungssystem (5,1 Prozent)

Quelle: DAK-Gesundheit; Wichtige Diagnosen und ihr Anteil am Krankenstand.

Was, wenn Dich die nächste Erkältung packt? Diese Fragen, Antworten und Tipps sollen Dir bei der Krankmeldung helfen.

Wann musst Du Dich krankmelden?

Das ist im Entgeltfortzahlungsgesetz (EntFG) geregelt. Dort steht: “Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen.”

Das heißt: Wenn Du morgens krank bist und weißt, dass Du nicht zur Arbeit gehen kannst, solltest Du auf jeden Fall gleich, eben unverzüglich, also durchaus auch vor Deinem Arbeitsbeginn Deinen Arbeitgeber informieren und Dich damit krankmelden. Das ist sicher besonders wichtig, wenn noch ein Ersatz organisiert werden muss. Je früher Du Dich meldest, desto leichter wird dies für Deinen Arbeitgeber.

Wie musst Du Dich krankmelden?

Die Art der Mitteilung für die Krankmeldung ist in dem Gesetz nicht genannt. In manchen Unternehmen sind bestimmte Wege explizit gewünscht oder auch im Arbeitsvertrag geregelt, etwa die Mitteilung über Telefon oder die Mitteilung an bestimmte Personen (zum Beispiel den Leiter der Personalabteilung oder den Vorgesetzten). Dann musst Du Dich danach richten. Wenn nichts geregelt ist, solltest Du Dich bei Deinem Vorgesetzten krankmelden und sicher sein, dass er oder sie die Mitteilung auch erhält.

Kannst Du Dich per E-Mail krankmelden?

Krankmelden geht auf jeden Fall mit einem persönlichen Anruf, aber zum Beispiel auch mit einer E-Mail, wenn dies bei Deinem Arbeitgeber ein gängiges Kommunikationsmittel ist und Du sicher sein kannst, dass die E-Mail gelesen wird. Bei einer E-Mail kannst Du auch um eine Rückantwort oder Lesebestätigung bitten.

Tipp: Frage schon vor einer möglichen Krankheit nach den gewünschten Mitteilungswegen und richte Dich danach. Bist Du Dir im Krankheitsfall nicht sicher, empfiehlt sich der Anruf bei Chefin oder Chef. Dann kannst Du gleich klären, ob Du selbst noch jemand anderen informieren solltest, etwa die Personalabteilung oder Deine Kolleginnen und Kollegen.

Bei dem Inhalt der Mitteilung solltest Du Dich am Gesetz orientieren: Sag, dass Du nicht arbeiten kannst, weil Du krank bist und wie lange das voraussichtlich dauern wird.

Wann brauchst Du bei der Krankmeldung ein Attest?

Das ist auch gesetzlich geregelt. Im Entgeltfortzahlungsgesetz steht dazu: “Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen.”

Das heißt also: Wenn Du voraussichtlich länger als drei Tage krank bist, musst Du am vierten Tag das Attest beziehungsweise die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen. Aber Dein Arbeitgeber kann auch am ersten Tag die ärztliche Bescheinigung verlangen. Er braucht dafür auch keine Begründung zu nennen, so eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (Aktenzeichen 5 AZR 886/11). Das Gericht hat in einer späteren Entscheidung aber auch festgelegt: Wenn der Arbeitgeber die 3-Tage-Regel für eine Gruppe von Mitarbeitern oder eine ganze Abteilung ändern will, hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht (1 ABR 43/14).

Krankmeldung übers Wochenende: Wann brauchst Du dann das Attest?

Im Gesetz steht “länger als drei Kalendertage”. Du musst also am Montag ein Attest vorlegen, wenn Du Dich am Freitag krankmeldest. Aber es ist auch geregelt, dass die AU, also die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, am darauffolgenden “Arbeitstag” vorzulegen ist. Das heißt: Wer Donnerstag krank ist, muss nicht etwa am Sonntag die Bescheinigung vorlegen, sondern erst am Montag (bei einer Arbeitswoche von Montag bis Freitag).

Musst Du Deinem Arbeitgeber sagen, warum Du krank bist?

Nein. Die Bescheinigung vom Arzt für den Arbeitgeber erhält auch keine Diagnose. Grundsätzlich besteht eine Krankmeldung übrigens aus mehreren Teilen. Die Bescheinigung “für den Arbeitgeber” muss Dein Arbeitgeber erhalten, die Bescheinigung “zur Vorlage bei der Krankenkasse” musst Du bei Deiner Krankenkasse umgehend einreichen. Tipp: Das geht bei vielen Kassen auch online.

Auf der Bescheinigung für die Krankenkasse ist die Diagnose mit der sogenannten ICD, der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, benannt.  Tipp: Der ICD-Code lässt sich mit Online-Tools entschlüsseln, etwa mit dem Tool der Techniker Krankenkasse.

Wer zahlt Dein Gehalt, wenn Du krank gemeldet bist?

Im Entgeltfortzahlungsgesetz steht, dass der Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit “bis zur Dauer von sechs Wochen” besteht. Wenn Du nach sechs Wochen weiterhin krank sein solltest, erhältst Du als gesetzlich Versicherter Krankengeld von Deiner Krankenkasse. Die Höhe des Krankengeldes richtet sich danach, wie viel Entgelt der erkrankte Mitarbeiter zuletzt erhalten hat. Der Arbeitgeber schickt dafür eine Verdienstbescheinigung an die Krankenkasse. Wie das Krankengeld berechnet wird, steht im Sozialgesetzbuch (SGB V §47). Das Krankengeld beträgt in der Regel 70 Prozent Deines beitragspflichtigen Bruttogehaltes, aber nicht mehr als 90 Prozent des Netto-Gehalts. Davon gehen noch Sozialversicherungsbeiträge ab. Tipp: Für die Krankengeldberechnung stellen die Krankenkassen oft Online-Rechner zur Verfügung, zum Beispiel die AOK.

Wenn Du privat versichert bist, erhältst Du das Krankengeld in der Höhe, wie in Deinem Tarif vereinbart.

Übrigens: Die Weiterzahlung des Gehalts über sechs Wochen gilt grundsätzlich für jede Krankheit. Wirst Du also aufgrund einer anderen Krankheit ein paar Wochen nach Rückkehr zur Arbeit wieder krank geschrieben, läuft die Frist neu an.

Du bist arbeitslos und wirst krank: Musst Du Dich bei Arbeitslosigkeit auch krankmelden?

Wenn Du während der Arbeitslosigkeit krank wirst, musst Du der Agentur für Arbeit innerhalb von drei Tagen eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Auch die Agentur für Arbeit kann wie der Arbeitgeber die Bescheinigung bereits vor Ablauf der drei Tage verlangen.

Geregelt ist das im Sozialgesetzbuch § 311 SGB III. Dort heißt es “Wer Arbeitslosengeld oder Übergangsgeld beantragt hat oder bezieht, ist verpflichtet, der Agentur für Arbeit erstens eine eingetretene Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich anzuzeigen und zweitens spätestens vor Ablauf des dritten Kalendertages nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer vorzulegen. Die Agentur für Arbeit ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, so ist der Agentur für Arbeit eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen.”

Du bekommst aber nur dann weiterhin Arbeitslosengeld, wenn Du bereits Arbeitslosengeld bezogen hast, als Du krank wurdest. Infos bei der Bundesagentur für Arbeit.

Wie krank musst Du sein für eine Krankmeldung?

Schnupfen, Husten, Kopfweh & Co: Da kannst Du selbst sicher beurteilen, wie Du Dich fühlst und ob Du so krank bist, dass Du nicht mehr arbeiten kannst. Das Empfinden von Krankheit ist auch individuell unterschiedlich. Mit Fieber solltest Du auf jeden Fall nicht arbeiten. Bei starken Schmerzen auch nicht. Bei möglicherweise ansteckenden Krankheiten solltest Du auch an Deine Kollegen denken und zu Hause bleiben. Bist Du nicht sicher, geh am besten zum Arzt für eine Einschätzung. Wenn Du bei einem leichten Schnupfen oder Husten zur Arbeit gehst, denk daran, Dir immer gut die Hände zu waschen, Abstand zu anderen zu halten und aufs Händeschütteln zu verzichten. Wenn Du voraussichtlich länger als drei Tage arbeitsunfähig sein wirst, musst Du ohnehin zum Arzt, der dies beurteilt.

Was ist, wenn Du so krank bist, dass Du es gar nicht zum Arzt schaffst? Wie bekommst Du die Krankschreibung?

Das ist nicht immer einfach, mehrere Möglichkeiten sind denkbar: Du lässt Dich von jemandem zum Arzt bringen oder Du fragst Deinen Arzt, ob er einen Hausbesuch machen kann. Falls nicht, frag ihn, ob er zum Beispiel eine rückwirkende Krankschreibung am nächsten Tag ausstellen kann, aber das ist nur in Ausnahmefällen möglich. Vielleicht kommt auch ein privatärztlicher Notdienst in Frage, für Privatversicherte oder als Selbstzahler. Oder Du sprichst mit Deinem Arbeitgeber über die Situation und eine mögliche Lösung.

Was gilt, wenn Dein Kind krank ist?

Viele Unternehmen haben dazu Regelungen, etwa in Arbeitsverträgen oder Betriebsvereinbarungen. Nicht selten zahlen sie das Gehalt weiter, wenn ein Kind krank wird. Die Anzahl der möglichen Tage pro Jahr ist dabei oft begrenzt, etwa auf fünf oder zehn Tage pro Jahr. Hintergrund: Im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 616 BGB) ist geregelt: “Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird.” Aber es gibt auch die Möglichkeit für Arbeitgeber, Ansprüche auf Zahlung einer Vergütung in diesem Fall per Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag auszuschließen. Frage Deinen Arbeitgeber, was in Deinem Unternehmen im Fall der Erkrankung des Kindes gilt: Ob ein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht und ab wann Du eine Bescheinigung vom Arzt vorlegen musst.

Wie lange bekommst Du Krankengeld, wenn Dein Kind krank ist?

Selbst wenn Dein Arbeitgeber Dein Gehalt nicht weiter zahlt, kannst Du Dich freistellen lassen und als gesetzlich Krankenversicherte/r mit einem gesetzlich versicherten Kind Krankengeld nach Sozialgesetzbuch (SGB V §45) erhalten. Dort ist unter anderem geregelt “Versicherte haben Anspruch auf Krankengeld, wenn es nach ärztlichem Zeugnis erforderlich ist, dass sie zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege ihres erkrankten und versicherten Kindes der Arbeit fernbleiben, eine andere in ihrem Haushalt lebende Person das Kind nicht beaufsichtigen, betreuen oder pflegen kann und das Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder behindert und auf Hilfe angewiesen ist.” Anspruch auf Krankengeld besteht zudem in jedem Kalenderjahr für jedes Kind längstens für 10 Arbeitstage (für jedes gesetzlich versicherte Elternteil), für alleinerziehende Versicherte für maximal 20 Arbeitstage. Erkundige Dich gleich bei Krankheit Deines Kindes, wie Du das Krankengeld beantragst. Manche Kassen haben dafür gute Infos und Tipps im Netz oder bieten Apps oder Online-Tools zur Einsendung der ärztlichen Bescheinigung an. Beispiele: Die Techniker, DAK

Aber: Privatversicherte oder ein gesetzlich versichertes Elternteil eines privat versicherten Kindes haben keinen Anspruch auf Krankengeld, wenn das Kind krank ist. In der privaten Krankenversicherung wird in aller Regel kein Kinderkrankengeld gezahlt. Ganz vereinzelt gibt es aber solche Tarife, erkundige Dich danach, wenn Dir das wichtig ist.

Tipps und Rat

Schlepp Dich nicht krank zur Arbeit. Du brauchst die Ruhe für Deine Genesung. Geh zum Arzt, er wird Dich krankschreiben, wenn Du krank bist. Wenn Du Dich nicht ausreichend erholst, wirst Du später vielleicht schlimmer und länger krank. Und das hilft weder Dir noch Deinem Arbeitgeber.

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