Pilze sammeln: Tipps für Anfänger

Steinpilze und Maronen schießen im Herbst aus dem Boden. Aber Pilze sammeln will gelernt sein. Welche Tipps sollten Anfänger beherzigen? Diese sind im Selbstversuch getestet und für gut befunden. Was beim Pilzesammeln herauskam: zwei Körbe voll leckerer Schwammerl für eine schmackhafte Pilzpfanne. 

Pilze sammeln liegt im Trend. Viele Stadtbewohner entdecken die Kunst der Pilzsuche für sich wieder und bringen es Freunden und Familienangehörigen näher. Die Gründe für die neue Lust am Stöbern nach Steinpilzen & Co. liegen auf der Hand: Der Spaziergang im Wald bringt Dich der Natur nahe, sorgt für Bewegung, gute Luft und Spaß an der gemeinsamen Unternehmung Pilzsuche. Du lernst verschiedene Pilze kennen und kehrst mit köstlichen Waldfrüchten zurück nach Hause. Pilze enthalten Vitamine und Mineralstoffe. Sie sind nicht nur kulinarische Köstlichkeit, sondern tragen auch zu einer gesunden und bewussten Ernährung bei. Aber das gilt natürlich nur für die essbaren und ungiftigen Pilze. Diese Tipps zum Pilzesammeln für Anfänger sollen helfen, den schönen Brauch für sich neu zu beleben. 

Nimm Pilzkenner aus Familie oder Freundeskreis mit zum Pilzesammeln

Im Selbstversuch hat sich das am besten bewährt: Geh die ersten Male mit einem erfahrenen Pilzsucher und Pilzexperten in den Wald. Vielleicht ist ein Freund oder eine Freundin von Dir früher immer mit den Eltern “in die Pilze” oder “in die Schwammerln” gegangen – zum Pilzesammeln  in die Wälder und Wiesen der Gegend. Er oder sie kennt dann gute Pilzgebiete in Deiner Region und gibt Dir vielfältige Tipps beim Suchen: Unter welchen Bäumen Du bevorzugt schauen solltest, wo Du die besten Pilze sammeln kannst, wie Steinpilze & Co. zu bestimmen sind. Nutze die Pilzkenntnisse Deiner Freunde, Bekannten und Verwandten. Frage herum: Wer kennt sich aus, wer geht einmal mit in die Wälder?

Pilzvereine, Pilzseminare, Pilzschulen, Pilzfilme, Pilzbücher – gute Infos zum Pilzesammeln

Gute Hilfen fürs Pilzesammeln gibt es auch bei Pilzvereinen und Pilzschulen. Sie bieten oft Exkursionen und Ausflüge, Frischpilzbestimmungen und kleinere Pilzlehrgänge an. Einen großen Überblick über Pilzvereine in Deutschland bietet die Deutsche Gesellschaft für Mykologie. Dort kannst Du gezielt nach Pilzvereinen in Deiner Region und nach Pilzexperten suchen. Ein Beispiel aus der großen Karte von Pilzvereinen in Deutschland: Der Verein für Pilzkunde München. Er bietet Wanderungen, Ausstellungen und eine Pilzberatung an. Mehr Infos

Auch etliche Pilzschulen bieten Seminare und Exkursionen für Pilzsammler und Pilzfreunde an, um das Bestimmen und Finden von Pilzen zu lernen, eine interessante Internetadresse ist zum Beispiel die Pilzschule vom Pilzfreundetreff mit vielen Tipps und Infos. Mehr Infos

Zudem helfen Bücher und Filme dabei, sich mit dem Thema Pilzesammeln zu beschäftigen und einen guten Einstieg zu bekommen. Wie zum Beispiel Steinpilze oder Maronen aussehen, darüber bieten solche Filme eine gewisse Orientierung. Hier ein Beispiel über einen Steinpilzesammler: Film übers Steinpilzesammeln. Tipps zum Erkennen und Bestimmen von Pilzen bieten auch Internetseiten wie “Pilzfinder” oder “123.Pilze”.

Pilz-Apps zum Bestimmen der Pilze

Pilze sammeln mit Hilfe von Handy-Apps: Mittlerweile gibt es eine Reihe von Pilz-Apps – praktisch, da man so per Handy gleich den gefundenen Pilz nachschlagen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat 2015 solche Apps getestet. Ihr Fazit: Keines der getesteten Produkte kann einen unerfahrenen Anwender sicher durch die Vielfalt an Pilzarten leiten. Aber sie können sich eignen, einen geübten Anfänger oder mäßig Fortgeschrittenen bei der Bestimmung von Pilzen zu unterstützen und sein Wissen aufzufrischen und zu ergänzen. 

Testergebnisse zu Pilz-Apps

Einen aktuelleren Test hat Chip in 2017 gemacht. Chip stellt Apps mit ihren Vorteilen und gegebenenfalls kleineren Einschränkungen vor.

Drei Apps für iOs: “Pilzatlas”, “Pilze” und “Pilzsammler”, für Android ebenfalls drei: “Meine Pilze”, “Mushroom Guide” und “Pilzführer free”.

Pilze sammeln mit der richtigen Ausrüstung

In die Pilze gehst Du am besten mit festen Schuhen und dem Wetter angemessener Kleidung. Nicht zu leicht, denn im Wald ist es im Herbst ja oft kühl. Nehmt einen oder zwei Körbe für die Pilze mit, etwa Weidenkörbe. Sammelt nicht in Plastiktüten, das ist nicht gut für die Pilze, denn sie brauchen Luft, sonst verderben sie schnell. Deshalb auch keine Kunststoffeinlagen im Korb behalten. Wichtig ist auch das Pilzmesser, also ein scharfes Messer, um den Pilz abzuschneiden. Manche nehmen zum Pilzesammeln auch eine kleines Bürstchen mit, um die Pilze vom groben Schmutz zu befreien. Ein Handy mitzunehmen empfiehlt sich sicher, wenn man in der Natur unterwegs ist. Falls etwas passiert, lässt sich so Hilfe rufen.

Pilze richtig abschneiden – oder herausdrehen

Der Pilzkenner im Selbstversuch schwört auf das Abschneiden der Pilze per scharfem Messer. Die Recherche bei Pilzvereinen und Co. zeigt aber: Hier scheiden sich die Geister. Manche raten zum vorsichtigen Herausdrehen, weil auch der Wurzelbereich Bestimmungsmerkmale enthält. Weitgehend einig ist sich die Pilzwelt, dass der Pilz nicht einfach aus der Erde gerissen wird. Denn das Myzel soll nicht zerstört werden. Was wir sammeln, ist nur der Fruchtkörper, das Myzel, der eigentliche Pilz, liegt noch im Boden. Für den Anfänger gilt also: Nicht wie die Axt im Wald vorgehen, Hauptsache vorsichtig!

Wie viele Pilze darf man sammeln?

Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 39 ) besagt unter anderem:

Jeder darf … wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.

Du darfst Pilze sammeln für den persönlichen Bedarf in geringen Mengen für den Eigengebrauch. Das gilt aber nicht in Naturschutzgebieten. Und nicht für geschützte Arten. Dazu gehört zum Beispiel der Steinpilz. Dennoch gibt es für den Steinpilz auch nach Bundesartenschutzgesetz (§ 2) die Erlaubnis, ihn “in geringen Mengen für den eigenen Bedarf” der Natur zu entnehmen.

Was genau geringe Mengen sind, ist nicht in den Gesetzen geregelt. In der Verwaltungspraxis hat sich zum Teil eine bestimmte Menge etabliert, etwa von 1 Kilogramm pro Person und Tag wie zum Beispiel im Landkreis Lörrach im Schwarzwald.

Tipp: Bei ein bis zwei Körben Pilze, die Ihr für ein oder zwei Pilzpfannen für Familie und Freunde nutzt, ist wohl von einem persönlichen Bedarf zu sprechen.

Tipp für Anfänger: Sammle Röhrlinge wie Steinpilz und Marone

Ein guter Tipp für Anfänger: Lass die Lamellenpilze stehen und suche gezielt nach Röhrlingen, und zwar am besten nach Steinpilzen und Maronen. Denn diese sind in Deutschland und gerade jetzt, im Herbst, sehr häufig. Generell finden sich unter Röhrlingen weniger giftige Pilze als unter Lamellenpilzen. Pilze sammeln macht Spaß und verspricht volle Körbe, wenn man den Steinpilz und die Marone sicher bestimmen kann. 

Der Steinpilz: Tipps fürs Erkennen und die Bestimmung

Der Steinpilz ist häufig in der Nähe von Laub- oder Nadelbäumen zu finden, denn er lebt mit Bäumen in Symbiose, oft mit Fichten. Auf der Pilztour im Selbstversuch fanden sich viele am Waldrand eines Nadelwaldes. Einige Erkennungszeichen: Der Steinpilz hat meist einen bräunlichen Hut und hellen Stiel. Die Röhren oder  Poren sind weiß oder gelblich. Das Fruchtfleisch ist weiß und bläut eher nicht oder kaum. 

Die Marone: Tipps fürs Erkennen und die Bestimmung

Der Hut der Marone ist braun, daher auch der Name, denn er erinnert an die Esskastanie. Die rundlichen Röhren sind am Stiel ausgebuchtet und haben eine weißgelbliche bis olivgelblich zum Teil auch grüngelbliche Farbe. Wenn man sie drückt, verfärben sie bläulich oder blau-grün. Der Stiel ist bräunlich mit einer eingewachsenen Maserung. Das Fruchtfleisch wird beim Schneiden blau.

Das Bild zeigt zwei Körbe voll mit Maronen und Steinpilzen nach dem Sammeln im Nadelwald. Rechts oben im Korb zum Beispiel zwei kleine Steinpilze, darunter links eine Marone mit grünbläulichen Stellen auf den Röhren.

Pilzkorb - Bild zum Beitrag übers Pilzesammeln

Die beste Zeit, der beste Ort zum Pilzesammeln: Wo findest Du Steinpilze und Maronen?

Vielleicht wissen Pilzkenner in Deinem Freundeskreis, wo gute Pilzgebiete zu finden sind. Misch- und Nadelwälder sind ein guter Fundort, oft Waldränder. Im September und Oktober ist Hauptsaison für Maronen und Steinpilze, aber es fängt auch zum Teil schon früher an, im Sommer. Wichtig ist die Feuchtigkeit. Wenn es geregnet hat, kommen bald auch die Pilze. Gute Tipps für Zeiten und Regionen, in denen Du Pilze sammeln solltest, gibt es online. Hier sollten sich Anfänger ruhig informieren. Manche Städte haben Tipps über gute Pilzregionen im Umland auf ihren Stadtportalen, etwa München. Aktuelle Infos und einen “Pilz-Ticker” sowie schöne Sammlerberichte mit Fotos bietet zum Beispiel die Seite “Passion Pilze sammeln”. Pilz-Ticker

Tipps zur Pilzsuche: Verwechslungsgefahren bei Steinpilz und Marone

Steinpilze und Maronen können zum Beispiel mit dem Gallenröhrling verwechselt werden. Der ist zwar nicht giftig, schmeckt aber extrem bitter. Deshalb nur die Pilze sammeln, die Du und Dein pilzkundiger Begleiter sicher bestimmen könnt. Wenn Ihr bei einem Pilz, den Ihr schon gesammelt habt, glaubt, dass es der Gallenröhrling sein könnte, dann kann der Pilzkenner eventuell die Geschmacksprobe eines kleinen Stückchens machen. Schmeckt der Pilz bitter, auf keinen Fall essen. Der Gallenröhrling bläut auch nicht so beim Durchschneiden, anders als die Maronen.

Rat bei Unsicherheit: Pilzsachverständige oder Pilzberater fragen

Wenn Du nicht sicher bist, den Pilz lieber stehen lassen. Wenn sich später Unsicherheiten ergeben: Es gibt die Pilzberatungen und Pilzsachverständigen, die Pilze begutachten und Dir einen guten Rat erteilen können. Das ist für Anfänger sehr hilfreich. Eine Liste hält zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Mykologie, die darauf verweist, dass die meisten Pilzsachverständigen ehrenamtlich oder gegen eine geringe Aufwandsentschädigung arbeiten. Weil Pilze aktuell zum Beispiel in Bayern schon zu Vergiftungen geführt haben, hat das Bayerische Gesundheitsministerium vor einigen Wochen davor gewarnt, die Gefahren zu unterschätzen.

“Es ist wichtig, kein Risiko einzugehen. Das heißt: Hände weg von Pilzen, die man nicht genau kennt!”

so Melanie Huml, Gesundheitsministerin Bayern

Nicht nur wegen der Pilze solltest Du wissen, dass es einen Giftnotruf gibt. Im Fall von Übelkeit oder Ähnlichem immer möglichst noch Ruhe bewahren und nicht hektisch werden. Den Giftnotruf oder die 112 anrufen und klar sagen, was passiert ist und was gegessen wurde. Es sind nicht unbedingt Giftpilze, die Übelkeit verursachen, es sind zum Teil auch verdorbene oder falsch zubereitete Pilze.

Pilze zubereiten: Am besten frisch – zum Beispiel als Mischpilzpfanne

Die Pilze am besten frisch zubereiten! Die Pilze putzen, schlechte Stellen wegschneiden. Die Pilze in Scheiben schneiden. Steinpilze schmecken fest und ein bisschen nussig. Die Maronen schmecken aromatisch, pilzig und sind eher weich. Zusammen angebraten ergeben sie eine köstliche Mischpilzpfanne. Tipp: Erst Speck und Zwiebeln in Butter oder in Olivenöl anbraten, dann die Pilze. Später ein bisschen Crème Fraiche hinzufügen und Kräuter, etwas Petersilie oder Thymian. Dazu frisches, knuspriges Brot – ein Genuss.

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