Spielzeug-Check: Besser klassisch als smart?

Warentester warnen: Einige smarte, internetfähige Spielzeuge entpuppen sich als Spione im Kinderzimmer. Diese Tipps helfen Dir dabei, gutes Spielzeug auszuwählen.

Die Stiftung Warentest hat smartes Spielzeug getestet. Das Fazit der Tester: Ein nicht internetfähiger, „dummer“ Teddy sei wohl auch in Zukunft die schlauere Wahl. Gute Nachrichten also für den klassischen Teddy auf dem Bild zu diesem Beitrag. Aber schlechte für die Käufer von internetfähigen Spielzeugen. Denn der Test zeigt: Fremde können zwei der getesteten Spielzeuge ohne großen technischen Aufwand aus einer Nachbarwohnung fernsteuern und so mit den Kindern kommunizieren. Schuld sind unsichere Funkverbindungen, berichten die Tester. Drei der sieben geprüften Spielzeuge bewerten die Prüfer als sehr kritisch, die anderen vier kritisch. Das zeigt die September-Ausgabe des Magazins test.

Einige von diesen Spielzeugen sind brandgefährlich, weil sie eine ungesicherte Funkverbindung haben. Das heißt, dass jeder Smartphone-Besitzer sich mit ihnen verbinden kann, um das Kind abzuhören, es auszufragen oder zu bedrohen“,

sagt test-Redakteur Martin Gobbin.

Drei der getesteten Spielzeuge verlangen für eine Bluetooth-Verbindung weder Passwort noch Pin-Code. Ein Roboter erlaubt es Fremden, dem Kind Fragen zu stellen oder Anweisungen zu geben. Und er kann die Antworten des Kindes abhören. Ein Teddy kann Sprachnachrichten von den Eltern, aber auch von Fremden empfangen. Ein Roboterhund lässt sich auch von Unbefugten fernsteuern. Diese drei Spielzeuge sind laut test sehr kritisch. Der ganze Bericht zum Test „Smartes Spielzeug“ ist in der September-Ausgabe 2017 der Zeitschrift test erschienen und auf der Internetseite zum Test abrufbar.

Smart toys in der Kritik

Und dieser Test ist nicht die erste Warnung vor smartem Spielzeug: Bereits im Februar hatte die Bundesnetzagentur die Kinderpuppe “Cayla” aus dem Verkehr gezogen. Die Mitteilung der Bundesnetzagentur besagt:

Spielzeug, das funkfähig und zur heimlichen Bild- oder Tonaufnahme geeignet ist, ist in Deutschland verboten.”

Erste Spielzeuge dieser Art seien auf Betreiben der Bundesnetzagentur bereits im Zusammenwirken mit Händlern vom deutschen Markt genommen worden. Die Bundesnetzagentur kündigte an, noch mehr interaktives Spielzeug auf den Prüfstand zu stellen und wenn nötig dagegen vorzugehen. Eltern riet die Behörde, die aus dem Verkehr gezogene Puppe unschädlich zu machen.

Nicht nur in Deutschland stehen die smart toys in der Kritik: Die norwegische Verbraucherorganisation Forbrukerradet hatte bereits im Dezember 2016 auf Sicherheitsprobleme der Puppe Cayla sowie des Roboters i-Que aufmerksam gemacht.

FBI-Warnung vor smarten Spielzeugen

Im Juli warnte sogar das FBI vor Gefahren in einer Mitteilung für Verbraucher. Das FBI gibt darin umfangreiche Hinweise im Umgang mit smart toys: So sollten Eltern zum Beispiel darauf achten, dass ihre Kinder solche Spielzeuge nur in gesicherten Internetverbindungen nutzen, sie sollten sich über Sicherheitsmaßnahmen genau informieren, Bluetooth nur via PIN-Code oder Passwort nutzen, starke Passwörter verwenden, nicht zu viele Daten preisgeben (nur das, was minimal erforderlich ist), immer die neuesten Software-Updates zum Spielzeug besorgen, falls diese verfügbar sind, die Kinder bei der Nutzung beobachten und darauf achten, dass die Spielzeuge, vor allem die Mikrofone und Kameras wirklich aus sind, wenn sie nicht genutzt werden.

Angesichts all dieser Warnungen und Sicherheitshinweise im Umgang mit internetfähigen Spielzeugen stellt sich die Frage, ob klassisches Spielzeug nicht die unkompliziertere und sicherere Wahl ist. Wer ein smartes Spielzeug bereits angeschafft hat, sollte alle Sicherheitshinweise und Tests beachten. Möglich ist auch, das Spielzeug nur offline oder ausgeschaltet zu nutzen, etwa einfach zum klassischen Spiel mit der Fantasie des Kindes.

Tipps für die Auswahl von Spielzeug

Was kannst Du also tun? Wie findest Du gutes und sicheres Spielzeug für Dein Kind? Tipps und Rat von tippsundrat.de:

  • Erkundige Dich vor dem Kauf nach aktuellen Spielzeug-Tests. Die Stiftung Warentest und Ökotest haben Infos zu den aktuellsten Tests und wertvolle Tipps für Eltern auf ihren Internetseiten.
  • Rückrufe und Warnungen vor bestimmten Spielzeugen werden über die Presse verbreitet, aber auch in einer Datenbank gelistet. In dieser Datenbank veröffentlicht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ihr bekannt gewordene Produktrückrufe, Produktwarnungen, Untersagungsverfügungen und sonstige Infos zu gefährlichen Einzelprodukten. Du findest darin beispielsweise einen deutschsprachigen Auszug aus den wöchentlichen RAPEX-Meldungen. RAPEX (Rapid Exchange of Information System) ist ein Schnellwarnsystem der EU zum Verbraucherschutz. In der BAuA-Datenbank findet sich im August 2017 zum Beispiel unter anderem der Rückruf einer Puppe, von der sich verschluckbare Kleinteile ablösen können.
  • Kleinkinder: Die Kleinsten sollten keine Spielzeuge bekommen, die zum Beispiel gefährliche Kleinteile verlieren können. Also für unter Dreijährige keine Spielzeuge auswählen, die nicht für Kinder unter drei geeignet sind. Beachte die entsprechenden Warnhinweise und Altersbeschränkungen.
  • Prüfe selbst die Qualität von Spielzeug: Schau Dir das Spielzeug genau an: Trägt es Gütesiegel? Ist die Adresse des Herstellers angegeben? Sind Teile locker? Ist das Spielzeug gut verarbeitet? Macht das Material einen hochwertigen Eindruck? Fühle und rieche auch daran: Riecht das Spielzeug vielleicht unangenehm? Lassen sich Kleinteile voraussichtlich leicht abziehen? Blättert womöglich Farbe ab? Bei akustischem Spielzeug: Halte es ans Ohr. Wenn Du das als laut empfindest, gib es nicht Deinem Kind, denn Kinder halten sich Spielzeuge oft auch direkt ans Ohr.

Spielzeug-Siegel: Diese Zeichen helfen Dir bei der Auswahl

  • Für die Qualität von Spielzeugen gibt es einige gängige Siegel, darunter zum Beispiel: das GS-Siegel. Das GS-Siegel steht für “geprüfte Sicherheit”. Damit wird überprüft, ob das Spielzeug die gesetzlichen Anforderungen zu Schadstoffen und Sicherheit erfüllt. Das GS-Zeichen ist ein freiwilliges Zeichen, das heißt der Hersteller entscheidet selbst, ob er einen Antrag für das GS-Zeichen stellt. Die Vergabe ist aber gesetzlich geregelt und es gibt anerkannte Prüfstellen, unter anderem TÜV oder DEKRA.
  • das VDE-Zeichen: Das VDE-Zeichen steht für elektronische Sicherheit bei sachgemäßem Gebrauch und wird vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. vergeben.
  • Der Blaue Engel: Das Umweltzeichen “Blauer Engel” für Textiles Spielzeug wurde für einige Stofftiere bereits vergeben.
  • Spielzeuge mit Textilien tragen zum Teil auch das Zeichen des produktbezogenen Oeko-Tex-Standard 100, der für schadstoffgeprüfte Textilien steht.
  • Bei Plastik weisen Verbraucherschützer darauf hin, dass dieses bedenkliche Weichmacher, sogenannte Phthalate, enthalten kann. Die Verbraucherzentrale rät, auf die Bezeichnungen “PVC-frei” oder “Phthalat-frei” zu achten.
  • Pädagogisch wertvolles Spielzeug wird von einigen Institutionen ausgezeichnet. Etwa von spiel gut e.V., einer vom Bundesfamilienministerium geförderten Initiative, mit dem spiel gut-Siegel. Spielgut prüft nach eigenen Angaben zirka 600 neue Spielsachen im Jahr, wobei die Begutachtung für die Hersteller kostenlos ist. Das orangefarbene spiel gut-Siegel und die damit verbundene Empfehlung erhalten Spielzeuge und Spiele, die den spiel gut-Kriterien genügen und den Praxistest mit Kindern bestehen. Die Kriterien unter anderem: Sicherheit, Umweltverträglichkeit, Haltbarkeit, Angemessenheit für die Altersgruppe, Förderung der Fantasie und Vielseitigkeit. Ausgezeichnete Produkte sind auf der Internetseite von spiel gut gelistet.
  • Eine gute Anregung für Spiele ist auch der Kritikerpreis Spiel des Jahres oder Kinderspiel des Jahres. Infos dazu.

Fair, nachhaltig, umweltschonend: Weitere Kriterien für die Auswahl

  • Ressourcen schonen: In der Region produziertes Spielzeug reduziert Transportwege und spart damit Energie und CO2 ein. Achte darauf, wo das Spielzeug produziert wurde. Auch der Preis kann ein Indiz sein: Sehr billiges Spielzeug stammt oft aus Billiglohnländern.
  • Fair und sozial: Die Arbeitsbedingungen in den Spielzeug-Fabriken in Fernost, etwa in China, stehen immer wieder in der Kritik, etwa durch die Organisation China Labor Watch. Die Aktion fair spielt setzt sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen ein. Sie befragt Hersteller, ob sie den freiwilligen Verhaltenskodex der Spielzeugindustrie einhalten, und veröffentlicht regelmäßig eine Liste der Hersteller. In der Befragung legen allerdings immer weniger Hersteller die entsprechenden Zertifikate für ihre Produktionsstätten vor. Tipp: Suche gezielt nach Spielzeug aus dem fairen Handel, wenn Du für mehr Fairness eintreten willst.
  • Online Spielzeug bestellen – nachhaltig, bio, fair, regional und sozial: Sicher gibt es auch in Deiner Nähe Spielzeughändler, die pädagogisch wertvolles, schadstoffarmes und nachhaltig produziertes Spielzeug im Sortiment haben. Und wer online nach diesen Stichworten sucht, wird schnell auf das große Angebot von Onlinehändlern aufmerksam. So bietet der Händler entia Spielzeuge aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung oder anderen Einrichtungen zur Rehabilitation.
  • Second-Hand-Spielzeug ist preiswert und oftmals umweltschonend. Schließlich entfällt bei einer Weiterverwendung die Energie und der Materialverbrauch für neues Spielzeug. Außerdem können mit der Zeit flüchtige Schadstoffe ausgasen. Daher ziehe ruhig Second-Hand-Spielzeug in Betracht. Aber prüfe auch hier die Qualität mit Deinen Sinnen, etwa durch Anschauen und Fühlen der Verarbeitung und Qualität. Wichtig: Ältere Puppen oder älteres Spielzeug aus weichem Kunststoff solltest Du nicht gebraucht kaufen, rät die Verbraucherzentrale. Die Weichkunststoffe enthalten vielleicht noch schädliche Weichmacher, die seit Jahren verboten sind.

Weitere Tipps: Im Zentrum steht Dein Kind

  • Richte Dich bei der Auswahl des Spielzeugs nach Interessen und Erfahrungswelten Deines Kindes. Beobachte es beim Spiel: Was macht es gerne? Was macht ihm Freude? Malt es gern? Baut es gern? Zieht es gerne Puppen an, spielt es gern mit Autos? Und hat es gerade etwas Besonderes erlebt, etwa den Besuch auf dem Bauernhof? Hier könnten Spielzeuge interessant sein, die daran anknüpfen.
  • Sprich vor Geburtstagen und Festtagen wie Weihnachten mit den Verwandten und Freunden darüber, was Deinem Kind Freude macht und welches Spielzeug Du sinnvoll findest. Gib den Schenkenden gute Tipps, um unpassende Spielzeug-Geschenke zu vermeiden. Übrigens: Tipps und Ideen für den Kindergeburtstag findest Du auch auf tippsundrat.de: Die besten Tipps für den Kindergeburtstag.
  • DIY: Spielzeug selber machen! Das erlebt eine Renaissance. Am besten gemeinsam mit dem Kind. Raketen, Autos, Spielküchen – zum Beispiel aus Pappe, Textilien oder Holz gebastelt. Den Do-it-yourself-Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Suche “DIY Spielzeug” – Du findest tolle, kreative Ideen!
  • Mehr Ideen: Wie viel Spielzeug ist eigentlich nötig? Weniger als gedacht! Oft spielt Dein Kind sicher lieber mit anderen Kindern oder mit Dir gemeinsame Brettspiele, geht gern mit der Familie spazieren oder spielt draußen in der Natur. Gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse wie Ausflüge, Schwimmbad- oder Museumsbesuche, gemeinsame Wanderungen, lustige Fangen- oder Versteckspiele draußen schaffen bleibende Erinnerungen und bringen Menschen zusammen. Ergreife diese Chancen! Schaffe viele Möglichkeiten, damit Dein Kind sich entfalten kann. Das rückt die Frage nach gutem Spielzeug in den richtigen Zusammenhang.

 

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