Unwetterschäden: Welche Versicherung zahlt wofür?

Sturm, Regen, Hochwasser, Schnee und Eis: Nach einem Unwetter soll möglichst schnell alles wieder gut und der Schaden beseitigt werden. Aber welche Versicherung zahlt was? Das raten Experten.

Der Sturm “Friederike” hat es gerade wieder gezeigt: Unwetter kommen überraschend. Betroffene brauchen dann schnelle Hilfe und wollen wissen, wer für die Schäden aufkommt. Verbraucherschützer und Versicherer haben jetzt wichtige Informationen und Ratschläge zusammengestellt – zum Beispiel dazu, welche Versicherung wofür zahlt und was Betroffene bei Unwetterschäden beachten sollten. Diese Tipps solltest Du kennen – damit Du gut vorbereitet bist, wenn Eis und Schnee, Sturm und Regen wieder wüten.

Sturm: Welche Versicherung zahlt, hängt davon ab, was beschädigt ist

Das Orkantief “Friederike”, das über weite Teile Deutschlands hinweggezogen ist,  hat große Schäden verursacht. Allein der Versicherer Provinzial Rheinland rechnet bei seinen Kunden mit einer Schadenssumme von 80 Millionen Euro. Gemeldet wurden bereits rund 8.500 Schäden an Häusern und Wohnungen und über 300 Schäden an Kraftfahrzeugen. In ganz Deutschland betrage der Schaden ersten Schätzungen der Versicherungswirtschaft zufolge rund 500 Millionen Euro, berichtet die Provinzial.

Welche Versicherung zahlt was?

Bei Sturmschäden, Hagel- und Blitzschlagschäden zahlt in der Regel die Gebäudeversicherung, die Hausratversicherung oder, beim Auto, die Kaskoversicherungen, berichtet die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Als Sturm gilt, wenn mindestens Windstärke acht erreicht ist.

Schäden an Gebäuden: Die Wohngebäudeversicherung zahlt für die Unwetterschäden am Haus, etwa, wenn Dachziegel vom Wind abgedeckt werden oder ein Baum aufs Haus fällt. Wichtig ist, dass Schäden durch Sturm und Hagel in der Police abgedeckt sind.

Schäden in der Wohnung: Wenn zum Beispiel Wasser durch ein beim Unwetter zerstörtes Fenster oder durch ein abgedecktes Dach eindringt und Einrichtungsgegenstände beschädigt werden, zahlt die Hausratversicherung in der Regel.

Schäden an Autos: Schäden etwa durch herumfliegende Gegenstände oder einen umgefallenen Baum übernimmt in der Regel die Teilkaskoversicherung. Fährt man aber gegen einen auf der Straße liegenden Baum, wäre das nur über die Vollkasko zu regulieren. Darauf weist die Verbraucherzentrale Niedersachsen hin.

Die Verbraucherschützer weisen zudem daraufhin, dass möglicherweise auch eine Haftpflichtversicherung für den Schaden nach einem Unwetter aufkommen muss. Etwa unter Umständen die Haftpflichtversicherung des Besitzers eines umgefallenen Baums, wenn der Baum nicht mehr standsicher und marode war.

Starkregen und Hochwasser: Elementarschäden oft nicht mitversichert

Schäden, die durch Starkregen und Hochwasser entstanden sind, gelten als Elementarschäden – ebenso wie zum Beispiel Schäden durch Lawinen, Erdrutsche oder Erdbeben. Sie sind nur durch eine Versicherung gegen Elementarschäden abgesichert, eine sogenannte Elementarschadenversicherung. Bei Kaskoversicherungen sind solche Schäden oft inbegriffen, berichtet die Verbraucherzentrale. Viele Wohngebäude- und Hausratversicherungen enthalten aber keine Elementarschadenversicherung.

Tipp: Schau in Deinen Vertrag. Wenn Du keine Elementarschadenversicherung hast, solltest Du Dich über Möglichkeiten dafür informieren. Gute Informationen zu Elementarschadenversicherungen hat die Stiftung Warentest zusammengestellt. Ein Ergebnis der Untersuchungen: Leider sind Elementarschadenversicherungen nicht immer einfach zu erhalten und nicht immer günstig. So wird es zum Beispiel teurer, wenn man in Gebieten wohnt, die häufiger von Hochwasser betroffen sein können. Generell haben viele Haushalte keine Elementarschadenversicherung. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hin: Insgesamt sind in Deutschland nur 40 Prozent der Gebäude gegen Schäden wie Hochwasser und Überschwemmungen versichert. In Bayern sind es nur etwa 30 Prozent der Gebäude, in Schleswig-Holstein sogar nur 21 Prozent. In Baden-Württemberg war es früher Pflicht, eine Elementarschadenversicherung abzuschließen, daher haben hier heute noch rund 94 Prozent aller Gebäude eine solche Versicherung.

Die Karte zur Verbreitung von Elementarschaden in Deutschland vom GDV im Download.

Schnee und Eis: Streuen und Räumen ist Pflicht für Hauseigentümer

Wenn ein Dach oder eine Garage durch das Gewicht großer Schneemassen einstürzen, greift längst nicht jede Wohngebäudeversicherung. Vielmehr ist auch dafür eine Elementarschadenversicherung nötig, berichten die Verbraucherzentralen.

Hausbesitzer haben Pflichten, sie müssen vor ihrem Haus auf dem Gehweg räumen und streuen. Tun sie das nicht, und ein Passant rutscht aus und verletzt sich, muss der Hausbesitzer zahlen – beziehungsweise seine Haftpflichtversicherung. Zum Teil ist auch der Mieter zuständig, wenn er die Pflichten zum Räumen und Streuen per Mietvertrag übernommen hat. Wie wichtig eine Haftpflichtversicherung in so einem Fall ist, heben Verbraucherschützer hervor.

Wer seiner Räum- und Streupflicht nicht nachkommt, kann zur Kasse gebeten werden – eine Privathaftpflicht- oder Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung ist daher unverzichtbar“,

so Bianca Boss, Pressesprecherin beim Bund der Versicherten.

Auch wenn Schneebretter vom Gebäude abfallen und einen Schaden verursachen, muss die Haftpflichtversicherung des Hausbesitzers zahlen oder die Grundbesitzerhaftpflicht bei vermieteten Gebäuden.

Wenn Du auf dem Arbeitsweg ausrutscht, kann auch die gesetzliche Unfallversicherung zahlen, war es kein Arbeitsweg, eine private Unfallversicherung.

Weitere Infos zum Thema Versicherungen bei Schnee und Eis, etwa auch zum Unfallschutz bei Bussen und Bahnen, findest Du zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen.

Welche Pflichten haben Versicherungsnehmer bei Unwetterschäden?

Bei Unwetterschäden gibt es einiges zu beachten, damit die Versicherung zahlt.  So gibt es die sogenannte Schadensminderungspflicht. Das heißt: Wenn etwas passiert ist, musst Du versuchen, den Schaden zu vermindern und ihn nicht größer werden zu lassen. Also zum Beispiel Fenster schließen und abdichten oder Löcher im Dach mit einer Folie oder Plane abdecken, damit kein Wasser eindringt. Außerdem musst Du den Schaden der Versicherung möglichst unverzüglich melden.

Was solltest Du bei Unwetterschäden außerdem tun, um Dich abzusichern? Verbraucherschützer raten, zur Dokumentation Fotos zu machen und zerstörte Gegenstände nicht etwa zu entsorgen. Auch Zeugen könnten hilfreich sein. Der Bund der Versicherten hat gute Informationen zum Versicherungsschutz bei Unwetterschäden zusammengestellt: Infos.

Tipps und Rat zur Versicherung gegen Unwetterschäden

Mach Dich schlau: Schau in Deinen Versicherungsverträgen nach, ob Du ausreichend gegen Unwetterschäden versichert bist. Falls nicht, wäge das Risiko ab und erkundige Dich nach günstigen Möglichkeiten für einen ergänzenden Versicherungsschutz, zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen, dem Bund der Versicherten oder bei Testorganisationen. Beachte Räum- und Streupflichten und eventuell auch Sicherungspflichten, etwa von Bäumen oder Dächern. Als Mieterin oder Mieter: Schau in den Mietvertrag, ob Du zuständig bist fürs Räumen und Streuen. Eine private Haftpflichtversicherung ist zu empfehlen, Verbraucherschützer bezeichnen sie oft als die wichtigste private Versicherung.

Und im Schadensfall nach einem Unwetter beachte diese Tipps und versuche, den Schaden zu mindern. Mache möglichst Fotos und hole Zeugen dazu und melde Dich bei Deiner Versicherung.

Viel Glück in stürmischen, regnerischen und verschneiten Zeiten wünscht tippsundrat.de☂️ ☂️☃️🍀

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